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<  Corsaro 1200  ~  Klemmende Telegabel bei Corsaro

axel8555
Verfasst am: 24.6.2017, 21:20 Antworten mit Zitat
Morinisti Morinisti
Anmeldedatum: 18.02.2015 Beiträge: 35 Wohnort: Burgunderweg 16
Hallo Gemeinde,

mich ärgert seit geraumer Zeit ein Gabelproblem bei meiner Corsaro. Basierend auf der Vorarbeit von kundigen Forumsmitgliedern, habe ich Andreani-Einsätze, anfangs All-Ball-Simmerringe, und nun Simmerringe von MV Agusta für die Brutale 1090 verbaut. Die Gabel ist druckstufenseitig mit etwa 3er Öl, die Zugstufe mit etwa 4er Öl befüllt. Auf der Rennstrecke funktionierte alles perfekt. Da wird ja auch nicht viel gefedert, sondern eher nur tiefes Eintauchen beim bremsen verhindert. Die Andreanis wurden auch von einem Bremsen- und Fahrwerksrenndienstmann bejubelt, der die Dinger sofort erkannte.
Mein Urteil: Andreanis sind für die Renne große Klasse.

Nun mein Problem: vor und nach der Revision der Gabel (um die Andreanis einzubauen und ein besseres Ansprechen zu erreichen) mit zunehmender km-Leistung (nach 4.000 km) immer stärker werdendes Losbrechmoment. Bei normaler Landstrassenfahrt habe ich inzwischen Druck- und Zugstufe komplett aufgedreht.
Meine Erklärung für den Effekt ist die, dass sich das in den neuen Simmerringen befindliche Fett allmählich heraus reibt und damit die Reibung hoch geht. Ich konnte es insgesamt auf den linken Holm zurückführen. Ist ja einfach zu testen. Gabelstopfen rausschrauben und das jeweilige Tauchrohr ohne Staubkappe rein- und raus schieben. Rechts OK, links bleibt es hängen und ist schwergängig. Tauch- und Standrohre sind gerade und unbeschädigt. Alle teile wurden gereinigt und poliert. Aber der Effekt kommt immer wieder. Bei den MV-Simmerringen hat es dieses Mal länger gebraucht, bis die anwachsende Klemmung die Gabel wieder in einen Presslufthammer verwandelt hat. Das liegt sicherlich daran, dass All-Ball-Simmerringe 3 Lippen haben und sehr stramm sitzen. Mit den Dingern hat sich bereits nach 2000 km nicht mehr viel bewegt.

Fragen:
-- Hat jemand schon einmal sowas 'erlitten'?
-- und dann natürlich: was geht außer Standrohr tauschen?

Freue mich auf Eure Tipps und Hinweise.

Mit Grüßen von den Schlaglochpisten NRW's, Axel

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Mit Grüssen,
axel8555
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Ebi
Verfasst am: 25.6.2017, 19:20 Antworten mit Zitat
Morinisti Morinisti
Anmeldedatum: 19.11.2010 Beiträge: 1540 Wohnort: Backnang
Moin Axel,
zunächst mal zum Öl mit den Andreanis: Ich fahre 2,5er in der Druckstufe und 7,5er in der Zugstufe, mein Kit ist allerdings auch schon einige Jahre alt, evtl. wurde etwas geändert.

Bist du sicher, dass die Gabelholme nicht verspannt sind ? Hast du die Klemmschrauben unten an der Achse mal gelöst, die Gabel ordentlich eingefedert und dann wieder angezogen ?
An der unteren Gabelbrücke sollten die Schrauben auch nicht zu sehr angeknallt sein - eher zart angezogen Very Happy.

Gruß,
Ebi
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axel8555
Verfasst am: 27.6.2017, 6:36 Antworten mit Zitat
Morinisti Morinisti
Anmeldedatum: 18.02.2015 Beiträge: 35 Wohnort: Burgunderweg 16
Moin Ebi,

Danke für Deine Rückmeldung.
Die Öl-Viskositätsgeschichte bei den Andreanis habe ich im Forum verfolgt und bin ja auch bereits deutlich runter gegangen. Aber ich habe mechanisches Klemmen, sprich die Stopfen sind raus und ich habe die Federbeine in der Hand. Es wirkt also keine Dämpfung oder Verspannung mehr. Es muss irgendwas mit der Oberfläche, der Verchromung, Ovalität, etc. zu tun haben, und zwar nur am linken Federbein. Das rechte klemmt nicht.

_________________
Mit Grüssen,
axel8555
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axel8555
Verfasst am: 5.12.2017, 13:52 Antworten mit Zitat
Morinisti Morinisti
Anmeldedatum: 18.02.2015 Beiträge: 35 Wohnort: Burgunderweg 16
Hallo Gemeinde,

auch die dritte Sorte Simmerringe (die grünen SKF) neben allerlei Gleitverbesserern konnten das Klemmen des linken Gabelholmes nicht verbessern.
Seit bereits 20 Jahren habe ich gute Erfahrungen mit der Fa. Zupin bei Gabelabstimmungen und Reparaturen gemacht. Der Sepp Pfeffer hat bisher jede meiner Gabeln wieder richtig zum funktionieren gebracht.

Was wurde in diesem Fall gemacht?
Abstimmung der Dämpfung der Andreani-Einsäte zu weniger starker Dämpfung, sodass nun auch 7.5er Öl 'gefahren' werden kann (einige Shims wurden herausgenommen, da die originale Auslegung eher was für die Rennstrecke ist).
Umschleifen der Ventilkegel, sodass ein breiterer Einstellbereich für Zug- und Druckstufe verfügbar ist.

Beides hatte noch nichts mit dem Klemmen zu tun!!!
Dazu wurden Tauch- und Standrohre poliert und die unteren Führungsbuchsen ausgetauscht.
Der Chrom des linken Standrohres war in der Mitte mattiert und riefig. Die Tauchrohre zeigten innen nur laufleistungsgemässe Spuren (23 Tkm).
Die Mattierung des Chromes rührte daher, dass sich Alupartikel in das weiche Teflon-Material der unteren Führungsbuchsen eingedrückt haben und den Chrom dann wie eine Feinschmirgelung bearbeitet haben. Die feinen Partikel sind nur im Mikroskop sichtbar, die größeren, die die Riefen erzeugten, sind mit bloßem Auge erkennbar. Und zwar nur an der linken unteren Führungsbuchse.
Der mattierte Chrom stoppt dann regelrecht den Simmerring, wenn dieser bei Federbewegungen über die Stelle läuft.

Woher kommen die Partikel?
Dreht man den oberen Gabelstopfen bei noch festgedrehter oberer Klemmung der Gabelbrücke auf, bricht man Partikel aus dem eloxierten Gewinde heraus. Diese fallen immer nach unten und lagern sich im Teflon der unteren Führungsbuchsen ein. Das kommt wohl gar nicht so selten vor, und natürlich dann, wenn man die Reihenfolge der richtigen Demontage nicht kennt.
In meinem Fall habe ich ein Erbe des Erstbesitzers übernommen, da die Gabel von meinem Corsaren von Anfang an eher hoppelte als federte. Damit fing dann ja auch meine Detektivarbeit an.

Also: Wer ein ähnliches, schlechtes Ansprechen seiner Corsaro-Gabel bemängelt, kann mit dem Tausch der Führungsbuchsen und polieren der Standrohre bereits das Problem beheben. Und auch wichtig ist, stets die oberen Klemmungen zu lösen, bevor man die Stopfen raus dreht.

Viele Grüße und schöne Weihnachten.

_________________
Mit Grüssen,
axel8555
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get.freaky
Verfasst am: 5.12.2017, 16:16 Antworten mit Zitat
Morinisti Morinisti
Anmeldedatum: 29.05.2015 Beiträge: 321 Wohnort: NDS
Hallo Axel,

danke für den Bericht.


Die Gabel findet/ fand ja bei einigen Herstellern Einsatz:
Morini natürlich, aber auch Benelli, Ducati, MV Agusta

Tatsächlich gibt es je nach Hersteller verschiedene Öl Empfehlungen.
Unter anderem auch 7,5W oder 10W.

Komischerweise hatte ich vor kurzem eine Benelli TNT1130 mit nicht einstellbarer Marzocchi RAC 50, so wie bei der 9 1/2, und die ging sehr sehr gut.
Kein bisschen bockig.

Ich habe bei mir eine aus der MV Agusta F4 1078 drin. Voll einstellbar. Ist ziemlich straff man muss alles aufdrehen, aber immer noch ein bisschen bockig.
Habe sie gerade zerlegt und Simmeringe getauscht. Innenleben war aber super, Abstreifer, Beschichtung etc. Da war nix matt geschmirgelt.

Hoffe das die SKF HD und das frische 7,5 Öl Erfolg bringen.

Gruß
Oliver

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Corsaro 1200 Compatto
9 1/2 im Umbau
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